Ich suchte Freiheit und fand Frieden

Ich suchte Freiheit und fand Frieden

Als ich sechs Jahre alt war, sagte meine Mutter einen Satz zu mir, den ich niemals vergessen habe:


„Wenn du 18 bist, kannst du machen, was du willst. Dann haben wir unseren Dienst an dir getan.“

Ich sehe den Tag noch heute vor mir. Wir Kinder liefen nach der Schule gemeinsam nach Hause und erzählten uns, was unsere Eltern beruflich machten. Als ich von meinen Eltern sprach, sagte plötzlich ein Junge zu mir: „Das sind doch gar nicht deine Eltern.“

 

Inhalte dieses Artikels

1.   Der Satz, der mein Leben prägte
2.   Immer draußen vor der Tür
3.   Hinter verschlossenen Türen
4.   Der Duft der Freiheit
5.   Endlich gesehen
6.   Als die Fassade Risse bekam
7.   Auf der Suche nach dem, was meinem Herzen fehlte
8.   Als ich aufhörte zu kämpfen
9.   Ein neuer Blick auf Jesus
10. Gott, bin ich froh

 

💡 Ich bin dankbar!

Selbst für die schmerzhaftesten Kapitel meines Lebens.
Deshalb erzähle ich meine Geschichte.
Nicht, weil sie außergewöhnlich ist.
Sondern weil ich glaube,
dass viele Menschen dieselbe Sehnsucht
in sich tragen, wie ich damals.

 

Der Satz, der mein Leben prägte

Zu Hause fragte ich meine Mutter, was er damit meinte. An diesem Nachmittag erfuhr ich nicht nur, dass ich adoptiert worden war. Ich hörte auch einen Satz, der sich tief in mein Herz einbrannte:

„Wenn du 18 bist, kannst du machen, was du willst. Dann haben wir unseren Dienst an dir getan.“

Damals konnte ich die Tragweite dieser Worte noch nicht erfassen. Aber ich weiß, was sie in mir auslösten. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören. Nicht gewollt zu sein. Als wäre ich eher eine Aufgabe als ein geliebtes Kind. Viele Jahre trug ich dieses Gefühl mit mir herum.

 

Ich als 6-jährige.

 

Immer draußen vor der Tür

Ich wuchs in einem christlichen Umfeld auf. Doch meine Kindheit verband ich nicht mit Geborgenheit, sondern mit Regeln, Kontrolle und Angst. Ich durfte nicht auf Kindergeburtstage gehen, weil die Familien nicht zu unserer Gemeinde gehörten. Die Kinder hörten irgendwann auf mich einzuladen, weil sie die Antwort längst kannten: „Ich darf nicht.“

Ich erinnere mich noch gut an die Montage in der Schule. Meine Klassenkameraden erzählten von den gemeinsamen Erlebnissen am Wochenende, lachten über Insider-Witze und schmiedeten neue Pläne. Ich stand daneben und wusste, dass ich wieder einmal nicht dazugehörte. Damals entstand in mir eine Sehnsucht, die ich lange Zeit selbst nicht verstand.

 

Hinter verschlossenen Türen

Wenn ich heute an meine Kindheit zurückdenke, gibt es Erinnerungen, die sich erst viele Jahre später als außergewöhnlich entpuppt haben. Damals erschienen sie mir völlig normal, weil ich nichts anderes kannte. Erst die Reaktion anderer Menschen ließ mich erkennen, dass das, was für mich Alltag war, für sie unvorstellbar erschien.

Eine dieser Erinnerungen beginnt an einem ganz gewöhnlichen Nachmittag: Eine Freundin war zu Besuch, und wir saßen in meinem Zimmer. Wir malten, unterhielten uns und verbrachten einfach Zeit miteinander. Meine Mutter kam ins Zimmer und sagte: „Ich fahre kurz einkaufen.“

Kaum war meine Mutter aus dem Zimmer gegangen, hörten wir, wie der Schlüssel im Schloss der Korridortür gedreht wurde. Für mich war das nichts Besonderes. Für meine Freundin schon. Sie sprang auf, lief zur Tür und rüttelte daran. Dann drehte sie sich zu mir um und fragte völlig entsetzt: „Hat deine Mutter uns gerade eingeschlossen?“ „Ja“, antwortete ich. „Sie ist doch nur einkaufen.“ Für mich war das normal. Für sie war es ein Schock.

 

Der Duft der Freiheit

Mit sechzehn begann ich, die Tage bis zu meinem achtzehnten Geburtstag zu zählen. Ich malte einen Kalender für die nächsten zwei Jahre und strich jeden Abend einen Tag durch. Für mich bedeutete Volljährigkeit vor allem eines: Freiheit.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich meine wenigen Sachen zusammensuchte und sie in das Auto meines Freundes lud. Es waren keine besonderen Möbel oder wertvollen Gegenstände. Und doch fühlte sich jedes Teil, das ich hinaustrug, wie ein kleines Stück Freiheit an. Mit jeder Tasche, die im Kofferraum verschwand, wurde mir bewusster, dass ich tatsächlich ging.

Meine Eltern standen dabei und sahen zu.

Ich hatte keine Ahnung, was das Leben für mich bereithielt. Aber ich wusste, dass ich nicht zurückkehren wollte. Ich glaubte, Freiheit würde alle Wunden meiner Kindheit heilen. Heute weiß ich, dass sie das nicht konnte.

 

Endlich gesehen

Nach meinem Umzug nach Köln zwei Jahre später begann ein völlig neuer Lebensabschnitt.

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, frage ich mich manchmal, warum mich ausgerechnet die Welt des Modelns so faszinierte. Schließlich hatte ich nie davon geträumt, Model zu werden. Es war eher ein Zufall, dass ich dort landete. Ich suchte schlicht nach einer Möglichkeit, meinen Lebensunterhalt aufzubessern.

Doch manchmal werden wir scheinbar zufällig an Orte geführt, an denen unsere tiefsten Sehnsüchte sichtbar werden.

Als ich die Modelschule zum ersten Mal betrat, ahnte ich nicht, dass dort etwas in mir angesprochen werden würde, wonach ich mich schon als Kind gesehnt hatte. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, wahrgenommen zu werden. Menschen schauten mich an, hörten mir zu und interessierten sich für mich. Für jemanden, der sich über Jahre unsichtbar gefühlt hatte, war das eine völlig neue Erfahrung.

 

Hausmodenschau

Model Partylife

Auf einer der vielen Partys zu denen ich als Model eingeladen wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 


Mit dreiundzwanzig Jahren wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit. Ich hatte keinen ausgefeilten Businessplan, keine finanziellen Rücklagen und auch niemanden, der mir erklärte, wie man ein Unternehmen aufbaut. Ich hatte lediglich den festen Willen, meinen eigenen Weg zu gehen.

Meine Agentin beim Künstlerdienst konnte meine Euphorie zunächst überhaupt nicht teilen. Sie sah mich an und sagte ganz nüchtern: „Du bist zu klein und zu dick.“ Wahrscheinlich hätten viele Menschen an dieser Stelle aufgegeben. Ich tat es nicht.

Gleichzeitig geriet ich in finanzielle Schwierigkeiten und traf Entscheidungen, auf die ich heute nicht stolz bin. Ich führte zeitweise ein Doppelleben und lebte nach außen ein Leben, das viele vermutlich beneidenswert gefunden hätten.

Ich pendelte zwei Jahre lang zwischen Köln und Miami, fuhr einen Sportwagen und konnte mir Dinge leisten, die ich mir als junges Mädchen nie hätte vorstellen können. Wer mich damals nur flüchtig kannte, hätte wahrscheinlich gesagt: „Sie hat es geschafft.“ Doch hinter der glänzenden Fassade sah es anders aus.

 

Shooting Miami South Beach

On the Job

 

 

 

 

 

 

 



Als die Fassade Risse bekam

Ich wusste, dass ich auf dem falschen Weg bin. Fand den Weg da raus aber allein nicht. Das Geld lockte. Die vermeintliche Freiheit auch. Die leisen Rufe meiner Seele, zurück zu einem christlichen Lebenswandel, habe ich überhört. Was mich bei all dem geritten hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich der Teufel. Ich bin nie auf die Idee gekommen zu reflektieren und eine Lösung zu suchen.

Ich versuchte mit aller Macht und Durchhaltevermögen, mir ein Leben aufzubauen, das mich glücklich machen sollte. Bis ich jemanden kennenlernte, der mir auf die Schliche kam und das Doppelleben beendete. Für 3 Jahre arbeitete ich dann wieder festangestellt als Sekretärin. Das tat weh.

Damals hätte ich diesen Abschnitt meines Lebens als Niederlage bezeichnet. Heute sehe ich ihn als einen Wendepunkt. Denn zum ersten Mal begann ich, nicht mehr nur nach Erfolg zu suchen, sondern nach Wahrheit.

 

Auf der Suche nach dem, was meinem Herzen fehlte

Mit Anfang 30 lernte ich Network Marketing kennen. Dort hörte ich zum ersten Mal eine Botschaft, die tief in mein Herz traf: Du bist gewollt. Du bist kein Zufall. Dein Leben hat einen Sinn. Diese Worte trafen genau die Wunde, die ich seit meiner Kindheit mit mir herumgetragen hatte.

 

Herbalife Extravaganze in Barcelona

 

Doch meine Suche war noch nicht vorbei. Was folgte war ein Kampf. Denn Ziel und Voraussetzungen passten nicht zusammen. Ich blieb über Jahre eine Suchende, ohne dass mir das bewusst war. Bis ich mit meinen Kräften am Ende war. Zu der Zeit lernte ich einen Coach kennen, mit dem ich einen ehrlichen Blick auf mein Leben wagte. So geriet ich ins Coaching Business. Ich wollte auch Menschen helfen, die in Nöten stecken und die Hilfe suchen, wie ich sie bekommen hatte.

Ich beschäftigte mich intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung und unterschiedlichen esoterischen Ansätzen. Vieles faszinierte mich. Manche Methoden fühlten sich zunächst sogar hilfreich an. Immer wieder hatte ich das Gefühl, der Antwort auf meine Sehnsucht ein Stück näherzukommen.

Doch dieses Gefühl hielt nie lange an. Nach jeder neuen Erkenntnis blieb dieselbe Leere zurück. Rückblickend verstehe ich, warum. Ich suchte nach etwas, das kein Mensch und keine Methode mir geben konnten.

 

Als ich aufhörte zu kämpfen

Nach einer weiteren schmerzhaften Enttäuschung war ich innerlich am Ende. Zum ersten Mal ging es mir nicht mehr um beruflichen Erfolg oder darum, mich selbst zu verwirklichen. Ich hatte Sehnsucht nach ehrlichen Menschen. Nach einem Ort, an dem ich mich nicht verstellen musste. Nach einem Zuhause für meine Seele.

In dieser Zeit erinnerte ich mich wieder an meine christlichen Wurzeln. Vieles aus meiner Kindheit hatte mich verletzt, doch tief in meinem Herzen war die Sehnsucht endlich anzukommen nie ganz verschwunden.

Eines Sonntags saß ich allein auf meiner Couch und schaute, wie so oft, einen amerikanischen Fernsehgottesdienst. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass Jesus direkt zu mir sprach. Während ich zuhörte, zog mein ganzes Leben vor meinem inneren Auge vorbei. Ich sah das kleine Mädchen wieder, das geglaubt hatte, nicht gewollt zu sein. Ich dachte an meinen Kampf um Freiheit, an meinen Wunsch nach Liebe und Anerkennung, an meine Erfolge und an meine Niederlagen.

Plötzlich wurde mir klar, dass ich mein ganzes Leben nach etwas gesucht hatte, das ich auf keinem meiner bisherigen Wege gefunden hatte. Ich brauchte keinen Erfolg, keine Anerkennung. Ich brauchte Jesus.

Mit Tränen in den Augen betete ich ein einfaches Gebet:

„Jesus, sieh dir mein Leben an. Es ist ein einziger Scherbenhaufen. Ich möchte nicht länger mein eigenes Leben führen. Ich gebe es dir. Mach du daraus, was du möchtest. Ich will dir folgen.“

In diesem Moment veränderte sich etwas, das ich bis heute kaum in Worte fassen kann. Meine Probleme verschwanden nicht über Nacht. Auch meine Vergangenheit war nicht plötzlich ausgelöscht.

Aber zum ersten Mal zog ein tiefer Friede in mein Herz ein. Ein Friede, den ich mein ganzes Leben gesucht hatte. Die eigentliche Veränderung geschah allerdings nicht an einem einzigen Tag. Jesus heilte mein Herz Schritt für Schritt.

 

 

Ein neuer Blick auf Jesus

Lang fiel es mir schwer, wieder eine Gemeinde zu besuchen. Zu viele Erinnerungen aus meiner Kindheit standen zwischen mir und diesem Gedanken. Ich war einfach gemeindegeschädigt. Doch je mehr ich die Bibel las, desto mehr lernte ich Jesus neu kennen. Nicht als den strengen Richter, vor dem ich mich als Kind gefürchtet hatte. Sondern als einen liebenden Vater. Diese Erkenntnis veränderte mein Leben.

Heute blicke ich auf mein Leben zurück und erkenne: Die größte Sehnsucht meines Herzens war nie Erfolg oder Geld. Nie Freiheit. Sondern Annahme, Liebe und Frieden. Ich bin dankbar für jede Erfahrung. Manche Dinge hätte ich mir gerne erspart.

Aber ich bin dankbar, dass Jesus mich nicht aufgegeben hat und die schmerzhaftesten Kapitel meiner Geschichte genutzt hat, um mich zu sich zu ziehen. Deshalb erzähle ich meine Geschichte. Nicht, weil sie außergewöhnlich ist. Sondern weil ich glaube, dass viele Menschen dieselbe Sehnsucht in sich tragen, wie ich damals.

Entgegen dem Rat meiner Freundinnen habe ich den Kontakt zu meinen (Adoptiv-) Eltern nicht abgebrochen. Wir fanden im Laufe der Jahre einen Weg, miteinander umzugehen und den jeweiligen Lebensweg anzunehmen. Sie taten damals das, was für sie möglich war. Das muss ich nicht verstehen. Auch ihre Erfahrungen waren von Lieblosigkeit geprägt. Ihre Orientierung suchten sie in Gemeindeleitern. Letztendlich haben sie ihren Job gemacht: den Samen zu legen, damit ich zum Glauben an Jesus Christus fand.

Vielleicht suchst auch du nach Anerkennung, Erfolg oder Freiheit und spürst, dass deinem Herzen trotzdem etwas fehlt. Dann möchte ich dir Mut machen. Manchmal suchen wir unser ganzes Leben nach dem, was Gott uns schon längst für uns bereithält. Wir sehen es einfach nicht.

 

Gott, bin ich froh

Ich sehe mich noch nach einer schmerzhaften Trennung Jahre vorher allein in meiner kleinen, von der Arge finanzierten Wohnung auf einer Luftmatratze sitzen. Äußerlich hatte ich fast alles verloren.

 

So in etwa sah mein Schlafplatz aus. Originalfotos gibt es nicht.

 

Ich saß dort und sagte immer wieder:

„Gott, bin ich froh.
Gott, bin ich froh.
Gott, bin ich froh.“

So auch jetzt: „Gott, bin ich froh, dass du mein Herz erreicht hast.“

Dies ist ein kleiner Teil meiner Lebensgeschichte. Die ganze Geschichte wird als Buch veröffentlicht werden. Wenn du Interesse daran hast, dieses Buch eines Tages in den Händen zu halten – schreib mir.

 

 

2 Kommentare zu “Ich suchte Freiheit und fand Frieden”

  1. Birgit Gliffe sagt:

    Danke Renate !
    Sehr gut zu lesen und interessant !

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Renate Monheimius

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