Vom Rennen ins Ruhen – Was mir diese Worte bedeuten

Diese Worte sind seit einigen Monaten mein Leitspruch, mein Motto. Nichts beschreibt meinen abenteuerlichen Lebensweg besser als sie. Nichts beschreibt mit wenigen Worten genauer das, um was es bei meiner Arbeit geht. Zu mir kommen Menschen, die erschöpft sind vom Funktionieren, vom ständigen Müssen, vom inneren Druck. Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen als Frieden im Herzen und Ruhe im Alltag.

„Ich will einfach in Ruhe meine Arbeit tun und mein Leben genießen“, war, ist und bleibt auch mein Wunsch.

Inhalte dieses Artikels

1. Aufgewachsen im Dauerlauf
2. Rennen wurde zum Lebenskonzept
3. Der Moment des Bewusstwerdens
4. Ruhe beginnt mit einer Entscheidung
5. Zu welchem Preis wollen wir leben?
6. Vom Rennen ins Ruhen – jeden Tag neu

Aufgewachsen im Dauerlauf

Ich bin in den 60er und 70er Jahren in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Klein heißt: 18 Häuser, 1 Schule und 3 Bauernhöfe. So idyllisch das heute auch klingt, so arbeitsreich war dieses Leben. Die Landwirtschaft kennt keine Pause. Alle anderen hatten große Gärten und wir Kinder mussten einfach mithelfen. Da gab es keine Diskussionen. Work-Life-Balance war damals kein Begriff und Feierabend gab es, wenn die Arbeit getan war.

Meine Mutter ging neben Haus und Garten 3 Stunden täglich arbeiten. Ab meinem 8 Lebensjahr musste ich mit und auch da helfen. Das ich allein den Nachmittag zu Hause verbringe, war für meine Eltern keine Option. Arbeiten hatte Priorität, wobei Hausaufgaben und lernen nicht zur Arbeit zählten und an das Ende des Tages verlegt wurden.

„Hast du nichts zu tun?“ fragte mein Vater sehr gerne, wenn ich offenkundig nicht beschäftigt war. Wichtig war nicht, was ich tat – Hauptsache, ich war beschäftigt. Bewegung bedeutete Fleiß. Ruhe wirkte verdächtig.

Rennen wurde zum Lebenskonzept

Vom Rennen ins Ruhen kam selbst meine Mutter erst als mein Vater starb und Sie ins betreute Wohnen zog. Rennen war ihr Lebenskonzept. Zeitdruck normal. Ich erinnere mich gerade daran, dass sie mit mir an der Hand im Trab ihre Besorgungen erledigte und dabei gerne 10 Meter neben dem Zebrastreifen über die Straße rannte – der Abkürzung wegen. Damals erschien mir das normal.

Wir übernehmen oft unbewusst die Lebensmuster unserer Eltern. Wir lernen früh, dass Leistung Anerkennung bringt. Dass man stark sein muss. Dass Pausen Zeitverschwendung sind. Und auch ich übernahm das Lebenskonzept meiner Eltern und rannte weiter, als sie schon längst nicht mehr da waren. Der innere Antreiber war mein bester Freund und mein größter Feind – bis ich mir dessen bewusst wurde.

Der Moment des Bewusstwerdens

Erst viel später erkannte ich, wie sehr dieses „Immer-Weiter“ mein Leben bestimmte. Und genau deshalb wurde „Vom Rennen ins Ruhen“ zu meinem persönlichen Motto. Auch als Erinnerung, damit ich nicht wieder in diese Falle tappe. Ich gebe zu, ich brauche diese Erinnerung.

Denn ich weiß: Es ist leicht, wieder in alte Muster zurückzufallen.

Unsere Gesellschaft belohnt Geschwindigkeit. Wer viel tut, gilt als wichtig. Wer ständig erreichbar ist, erscheint erfolgreich. Viele orientieren sich an Menschen, die noch schneller rennen als sie selbst. Doch irgendwann fordert dieses Leben seinen Preis.

Erschöpfung.

Innere Leere.

Das Gefühl, nie wirklich anzukommen.

Viele Menschen sehnen sich nach Ruhe – im Beruf genauso wie im Privatleben.

Sie wünschen sich:

✔️in Ruhe arbeiten zu können

✔️Zeit für Familie und Freunde zu haben

✔️das eigene Leben bewusst wahrzunehmen

Und vor allem:

endlich einmal still genug zu werden, um den eigenen Lebensweg zu reflektieren und
sich neu auszurichten. 

Die Bibel spricht erstaunlich oft über Ruhe.

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!“ Matthäus 11,28

Was für eine Einladung.

Nicht: „Streng dich noch mehr an.“
Nicht: „Du musst nur besser organisiert sein.“
Sondern: Komm zur Ruhe – in Jesus.
Das ist der Schlüssel.

Ruhe beginnt mit einer Entscheidung

Ich habe gelernt: Dieser Wunsch nach Ruhe erfüllt sich nicht irgendwann von selbst. Der richtige Zeitpunkt wird nicht plötzlich erscheinen. Die Welt wird nicht langsamer werden. Niemand wird uns aus dem Hamsterrad herausnehmen. Wir selbst müssen auf die Bremse treten. Manchmal bedeutet es aber, auszuhalten, dass andere weiter rennen. Denn wer langsamer wird, fällt auf – vielleicht sogar missverstanden.

Wer aus dem „was alle machen“ heraustritt und ein anderes Leben beginnt, muss mit Widerstand rechnen. Doch manche Entscheidungen sind lebensentscheidend. Es ist dein Leben, dein Weg und dein Ziel. Wo willst Du enden? In Hamsterrad und Einheitsbrei? Und dann unglücklich, unerfüllt, entwurzelt, erschöpft? Wofür?

Als ich mich aber umsah nach all meinen Werken, die meine Hände gemacht hatten, und nach der Mühe, die ich mir gegeben hatte, um sie zu vollbringen, siehe, da war alles nichtig und ein Haschen nach Wind, und nichts Bleibendes unter der Sonne!“  Prediger 2, 11 

Ich weiß wovon ich rede, weil ich die meisten Jahre meines Lebens auf dem Selbstoptimierungstrip unterwegs war und versucht habe, es besonders gut zu machen. Nichts von dem, was ich probierte, hatte etwas mit mir zu tun. Es waren die Lebenskonzept anderer Menschen, schon wieder.

Bei einem Seminar sagte ich: „Ich muss kämpfen.“ Der Seminarleiter antwortete: „Warum? Leb doch einfach!“ Das habe ich bis heute nicht vergessen. Verrückterweise wusste ich nicht wie das geht. Ich rannte und kämpfte eben.

Zu welchem Preis wollen wir leben und wofür?

Wenn du spürst, dass dein Leben nur noch aus Rennen besteht, dann warte nicht darauf, dass irgendwann Ruhe einkehrt.

Beginne bewusst kleine Schritte, die einen echten Wandel ermöglichen. 

„Besser eine Handvoll Ruhe, als beide Fäuste voll Mühsal und Haschen nach Wind.“ Prediger 4, 6

Suche die Nähe Gottes. Ein Gebet, ein Psalm oder ein stiller Spaziergang in seiner Gegenwart schenken mehr Frieden als jede Selbstoptimierung. Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!“ Johannes 14, 6

Das habe ich als Wahrheit erkannt. Mein Leben ruht jetzt in Jesu Hand. Je mehr ich den Stress aller Selbstoptimierungs- und Selbstermächtigungsversuche loslasse, hinter mein Ego zurücktrete und darauf vertraue, dass Jesus mir seine Antworten zur rechten Zeit zeigen wird, desto ruhiger werde ich. Dass das immer leicht ist, kann ich nicht behaupten, besonders, wenn man es gewohnt ist, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, zu rennen und zu kämpfen.

„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ 1. Petrus 5, 7. Noch ein Leitspruch, aus dem ein Blogartikel werden könnte. Ich habe ihn vielfach erprobt – er funktioniert. Oftmals erst im letzten Augenblick. So darf ich Glauben & Vertrauen üben und werde reich belohnt.

Es ist so toll: Ich darf abgeben. Er sorgt für mich und zeigt mir den für mich besten Weg. Ich muss nicht die ganze Last alleine tragen. Auf wen bitte will ich bauen, beim Blick auf die Zukunft? Auf mich? „Alles ist in dir“, hört man manche sagen. Was genau? Beim Blick in mein Inneres habe ich Bedenken. Und du?

Vom Rennen ins Ruhen – jeden Tag neu

Für mich ist dieser Weg nicht abgeschlossen. Es ist eine tägliche Entscheidung. Manchmal merke ich noch immer, wie schnell ich wieder ins Rennen gerate. Doch heute erkenne ich es früher. Und ich weiß inzwischen:

Wahre Lebensqualität entsteht nicht im Dauerlauf. Sondern dort, wo die Seele zur Ruhe kommen darf – bei Jesus.

„Schon Mangel an Erkenntnis ist nicht gut für die Seele, und wer zu schnell läuft, geht leicht fehl.“ Sprüche 19, 2

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